Der Topf sieht bei der Anschaffung unscheinbar aus: ein Stück Terrakotta, eine Handvoll Erde, ein Büschel frischer Thymian. Drei Wochen später besteht die Kräuterecke in der Küche aus derselben Erde, nur ohne Grün. Der Grund ist selten fehlendes Wissen über Botanik, sondern schlicht menschliche Routine. Wer sich auf das Gedächtnis verlässt, merkt meist zu spät, dass Pflanzen keinen Kalender kennen.
Thymian (Thymus vulgaris) ist widerstandsfähig, aromatisch und pflegeleicht – bis er es nicht mehr ist. Und genau hier beginnt das Spannungsfeld zwischen traditionellem Gärtnern und der präzisen Logik der Hausautomation. Die Herausforderung liegt nicht in der Komplexität der Pflanze selbst, sondern in der Diskrepanz zwischen ihren biologischen Bedürfnissen und unserem modernen Alltag.
Wenn Erinnerung keine Strategie ersetzt: Warum Thymian in Küchen häufiger verdurstet als erfriert
Thymian stammt aus den trockenen Zonen des westlichen Mittelmeerraums. Wie Gartenbauexperten bestätigen, bevorzugt sein Wurzelsystem durchlässige Erde, Luftzirkulation und kontrollierte Trockenphasen. Diese Präferenz für sandige, gut drainierte Böden ist charakteristisch für mediterrane Kräuter, die in ihrer natürlichen Umgebung an karge Bedingungen angepasst sind.
Doch in Innenräumen gelten andere Regeln: Lufttrockner, geschlossene Fenster und schwankendes Mikroklima führen zu unberechenbarer Verdunstung. Das Austrocknen der Wurzeln geschieht in Stunden, nicht Tagen. Anders als Basilikum zeigt Thymian erst spät Durstigeffekte, die sich kaum rückgängig machen lassen. Die Pflanze signalisiert ihre Not erst, wenn bereits strukturelle Schäden an den Wurzeln entstanden sind.
Die typische Situation: Morgens werden Kaffeemaschine und Licht per Sprachbefehl aktiviert, abends schaltet derselbe Assistent Musik zum Kochen ein – der Thymian bleibt unsichtbar für das Smart Home, obwohl er mitten im System steht. Genau dieses Paradox hat in den letzten Jahren zu innovativen, erschwinglichen Lösungen geführt, die Pflanzenpflege wiederholbar machen, ohne sie zu mechanisieren.
Das Problem ist nicht neu, aber die Lösungsansätze haben sich verändert. Während frühere Generationen auf visuelle Kontrolle und Erfahrungswissen setzten, ermöglicht moderne Technologie eine Präzision, die früher nur professionellen Gärtnereien vorbehalten war. Die Frage ist nicht mehr, ob Automatisierung im Haushalt sinnvoll ist, sondern wie sie sich so integrieren lässt, dass sie unterstützt, ohne zu bevormunden.
Die unsichtbare Grenze zwischen Pflege und Vernachlässigung
In der Küche herrscht ein komplexes Mikroklima. Kochvorgänge erzeugen Hitze und Feuchtigkeit, Lüftungssysteme entziehen sie wieder. Für Thymian bedeutet das Stress. Fachquellen weisen darauf hin, dass Staunässe für mediterrane Kräuter besonders schädlich ist – ein Zustand, der in geschlossenen Räumen schneller eintritt als im Freiland. Die Wurzeln benötigen nicht nur Wasser, sondern auch Sauerstoff. Ein durchnässtes Substrat erstickt die Pflanze langsam.
Gleichzeitig ist völlige Austrocknung ebenso fatal. Anders als bei Sukkulenten, die in ihren Blättern Wasser speichern, verfügt Thymian über keine nennenswerten Reserven. Die feinen Wurzeln reagieren empfindlich auf Trockenheit, und einmal geschädigte Wurzelspitzen erholen sich nur langsam. Das Zeitfenster zwischen „zu trocken“ und „zu nass“ ist überraschend schmal.
Hier offenbart sich das Dilemma des modernen Haushalts: Wir haben Systeme, die uns an Termine erinnern, die Heizung regulieren und die Einkaufsliste aktualisieren – aber die Pflanze auf der Fensterbank bleibt analog in einer digitalen Welt. Ihre Bedürfnisse folgen biologischen Rhythmen, nicht programmierbaren Zeitplänen.
Sensoren, die denken: Wie smarte Pflanzensensoren Wasserbedarf biologisch korrekt messen
Die neuen Pflanzensensoren basieren auf Prinzipien der Bodenphysik. Mithilfe von Kapazitätsmessung bestimmen sie den Feuchtegrad der Erde, indem sie die elektrische Leitfähigkeit zwischen zwei Elektroden variieren. Je mehr Wasser, desto höher die Spannungskapazität – ein präzises Abbild des Feuchtigkeitsstatus. Kombiniert mit Messungen von Sonnenlicht und Temperatur ergibt sich ein biologisch relevanter Datensatz.
Diese Technologie überbrückt die Lücke zwischen menschlicher Wahrnehmung und pflanzlichem Bedarf. Während wir die Oberfläche des Substrats sehen, messen Sensoren die Feuchtigkeit dort, wo sie relevant ist: im Wurzelbereich. Sie erkennen Trends, bevor sie für das Auge sichtbar werden, und ermöglichen präventive Maßnahmen statt reaktiver Notfallbewässerung.
Wenn ein solcher Sensor im Thymiantopf steckt, sendet er die Werte via Bluetooth oder WLAN an eine App, die Grenzwerte für mediterrane Kräuter kennt. Anstatt sich zu fragen, „Wann habe ich das letzte Mal gegossen?“, sagt das System schlicht: „Jetzt wäre ein guter Moment.“ Präventiv statt reaktiv. Noch besser: Integriert in ein intelligentes Lautsprechersystem – Alexa, HomePod oder Google Nest – wird das Gießen Teil der täglichen Routinen.
Kontextbezogene Intelligenz statt blinder Erinnerungen
Dieses Zusammenspiel hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber klassischen Erinnerungen auf dem Smartphone: Die Benachrichtigung erfolgt kontextbezogen. Der Hinweis erscheint genau dann, wenn er relevant ist, etwa während des Kochens oder beim Abstellen von Küchenutensilien – Momente, in denen physische Nähe zur Pflanze besteht.
Beim morgendlichen Wetterbericht kann der Assistent automatisch melden, dass der Thymian Feuchtigkeit benötigt, während die Hände frei bleiben für die Kaffeemühle. Diese Integration in bestehende Routinen macht den Unterschied zwischen einer weiteren ignorierten Benachrichtigung und einer tatsächlich befolgten Handlungsempfehlung.
Die Psychologie dahinter ist simpel: Wir reagieren auf Hinweise, die in unseren Handlungsfluss passen. Eine Push-Nachricht um 14 Uhr, während wir im Büro sitzen, verpufft wirkungslos. Eine Sprachmeldung beim Betreten der Küche, wenn die Gießkanne ohnehin in Reichweite steht, führt zu unmittelbarer Aktion.
Automatische Bewässerung ohne digitales Ökosystem: Die Eleganz des analogen Timers
Nicht jeder möchte Sensoren kalibrieren oder Apps verbinden. Eine zweite Strategie vermeidet menschliche Vergesslichkeit mit klassischer Mechanik: der Bewässerungstimer am Wasserhahn. Dieses kleine Gerät – ursprünglich für Balkonkästen entwickelt – öffnet in festgelegten Intervallen ein Mini-Ventil. Schließt man daran Tropfschläuche an, die zum Thymiantopf führen, entsteht ein geschlossenes System, das regelmäßig minimale Wassermengen abgibt.
Die entscheidende Variable ist dabei nicht die Häufigkeit, sondern die Dauer. Wie Pflanzenpflegequellen bestätigen, benötigt Thymian kurze, tiefe Bewässerungen mit langen Pausen. Ein Timer, der zweimal wöchentlich für 5–10 Minuten Wasser durch feine Tropfdüsen leitet, ahmt mediterrane Regenschauer nach. Dieses Minimaldesign arbeitet stromlos (über AA-Batterien oder allein mit Wasserdruck) und benötigt nur eine Kalibrierung.
Das Ziel ist konstante Feuchtigkeit im Wurzelbereich, nie Staunässe. Genau diese Balance macht den Unterschied zwischen einer überlebenden und einer florierenden Pflanze aus. Der Timer eliminiert die häufigsten Fehler: zu viel Wasser auf einmal, unregelmäßige Abstände, und die Tendenz, vergessene Bewässerungen durch übermäßiges Gießen zu kompensieren.
Die Vorteile systematischer Bewässerung
Die Vorteile gehen über Bequemlichkeit hinaus. Durch die kontrollierte Wasserabgabe werden Stresszyklen vermieden, die durch unregelmäßiges Gießen entstehen. Besonders während Urlaubszeiten zeigt sich der Wert solcher Systeme – kein Risiko des Übergießens oder Austrocknens, kein kompliziertes Delegieren an Nachbarn. Der Timer arbeitet unabhängig von menschlichem Engagement mit konstanter Präzision.
Selbst ohne Internet bleibt der Bewässerungstimer ein Beispiel präziser Hausautomation – analog, aber intelligent im Prinzip. Er repräsentiert eine Form der Automatisierung, die nicht auf Vernetzung angewiesen ist, sondern auf mechanischer Zuverlässigkeit basiert. Zudem sinkt der Wasserverbrauch durch genaue Dosierung, und das Topfsubstrat wird vor struktureller Erosion geschützt. Die Lebensdauer des Thymians verlängert sich spürbar, sein Aroma bleibt stabiler.
Das unterschätzte Element: Luftfeuchte, Materialien und Position in der Küche
In Küchen schwanken Temperatur und Luftfeuchtigkeit stärker als in jedem anderen Raum des Hauses. Eine Pfanne auf dem Herd erzeugt kurzfristig deutlich höhere Luftfeuchte, die Klimatisierung senkt sie danach abrupt. Für Thymian bedeutet das Stress. Silikat-Töpfe oder unglasierte Terrakotta sind zwar optisch charmant, aber sie beschleunigen die Verdunstung aus der Erde. Wer einen konstanten Feuchtegrad anstrebt, sollte den Topf in einen dekorativen Übertopf stellen, der eine dünne Isolierschicht bildet.
Auch der Standort beeinflusst die Sensorwerte und die Bewässerungseffizienz. Thymian bevorzugt durchlässige Erde und warme Standorte mit direkter Sonne; dennoch mindert ein Platz direkt über der Spülmaschine seine Lebensdauer, weil dort nach jedem Spülgang feuchtwarme Luft aufsteigt. Sensoren können diese Mikroveränderungen erkennen, aber die beste Prävention bleibt ein stabiler Platz mit zirkulierender, aber nicht turbulenter Luft.
Die Wahl des Substrats spielt eine ebenso wichtige Rolle. Experten raten zu durchlässiger, sandiger Erde, die das für mediterrane Kräuter typische schnelle Abfließen von überschüssigem Wasser ermöglicht. Handelsübliche Blumenerde ist oft zu dicht und speichert zu viel Feuchtigkeit. Eine Beimischung von Sand oder Perlite verbessert die Drainage erheblich.
Der Einfluss des Wassers: Mineralien und ihre Folgen
Ein weiterer, seltener beachteter Aspekt: Mineralien im Leitungswasser. Verwendet man Tropfschläuche oder Sensoren, lagern sich mit der Zeit Kalk und Magnesium in den Poren des Systems ab. Eine monatliche Spülung mit entkalktem Wasser verhindert Fehlmessungen und verlängert die Lebensdauer des Sensors.
Aus Sicht der Pflanzenphysiologie beeinflussen hohe Karbonathärten den pH-Wert der Erde. Thymian bevorzugt leicht alkalische bis neutrale Böden, aber extreme Kalkablagerungen können zu Nährstoffblockaden führen. Die Blätter zeigen dann Symptome, die auf den ersten Blick wie Wassermangel aussehen, tatsächlich aber auf gestörte Nährstoffaufnahme zurückzuführen sind.
Wer in Regionen mit sehr hartem Wasser lebt, kann auf abgestandenes Leitungswasser zurückgreifen – ein einfacher Trick, bei dem ein Teil der Mineralien ausfällt. Noch effektiver ist die Verwendung von Regenwasser, sofern verfügbar. Die Investition in einen kleinen Wasserfilter für die Pflanzenbewässerung mag übertrieben erscheinen, zahlt sich aber bei empfindlichen Kräutern langfristig aus.

Daten, die Pflanzen verstehen: Die Verbindung zwischen Bewässerung und Aroma
Thymian bildet ätherische Öle proportional zu Umgebungsstress. Beobachtungen aus der gärtnerischen Praxis legen nahe, dass moderate Trockenheit bis zu einem bestimmten Punkt zu intensiverem Aroma führen kann. Die Pflanze reagiert auf Wassermangel mit der Produktion von Schutzstoffen, zu denen auch die aromatischen Verbindungen gehören.
Wird die Trockenphase jedoch zu lang, stellt die Pflanze die Photosynthese ein und reduziert alle Stoffwechselprozesse. Digitale Sensoren mit verlaufssensitiven Algorithmen erlauben hier Feintuning: Sie zeigen nicht nur Feuchtigkeit an, sondern auch Trend – ob der Boden trockener oder feuchter wird. So lässt sich gezielt ein Rhythmus etablieren, der einen gewissen Stress induziert, ohne zu schädigen.
Das Ergebnis ist wahrnehmbar: intensiver duftender Thymian mit kompakterem Wuchs und kleinerem, aromatischerem Blattprofil. Dieser Effekt ist Gärtnern seit langem bekannt – die kontrollierte Bewässerung ermöglicht es, ihn reproduzierbar zu erzielen. Im Haushalt mag das Experiment kleiner sein, aber der Mechanismus derselbe: Präzision ersetzt Zufall.
Die Kunst liegt im Timing. Zu frühe Bewässerung verhindert die Entwicklung intensiver Aromen, zu späte führt zu irreversiblen Schäden. Sensoren bieten hier eine Orientierung, die über das hinausgeht, was Fingertests an der Erdoberfläche leisten können.
Praktische Integration in den bestehenden Haushaltsrhythmus
Man muss kein Technikenthusiast sein, um das meiste aus beiden Welten zu kombinieren. Der effektivste Ansatz entsteht oft aus hybriden Systemen:
- Ein einfacher Bewässerungstimer übernimmt die Grundversorgung
- Ein drahtloser Pflanzensensor überwacht Feuchtigkeit und Licht
- Ein smarter Lautsprecher liefert situative Erinnerungen bei abweichenden Werten
Diese drei Ebenen – Mechanik, Sensorik und Kommunikation – decken alle Fehlertypen ab: Vergessen, Fehlbewässerung, Standortprobleme. Der minimale Wartungsaufwand besteht aus Batteriewechseln alle paar Monate und dem gelegentlichen Spülen der Tropfschläuche. Das Resultat: eine konstante, planbare Pflege, die Energie spart und Frustration verhindert.
Die Implementierung erfordert einen einmaligen Aufwand, der sich innerhalb weniger Wochen amortisiert. Die Lernkurve ist flach: Moderne Systeme sind auf intuitive Bedienung ausgelegt und führen durch den Einrichtungsprozess. Selbst technisch wenig versierte Nutzer berichten von problemloser Installation.
Entscheidend ist die Akzeptanz im Alltag. Technologie, die zusätzliche Arbeit schafft, wird nicht genutzt. Systeme, die sich nahtlos einfügen und tatsächlich entlasten, werden zur Gewohnheit. Die erfolgreiche Integration misst sich nicht an technischer Komplexität, sondern an der Selbstverständlichkeit, mit der sie verwendet wird.
Über die Psychologie automatisierter Fürsorge
Es klingt trivial, doch Automatisierung verändert auch die emotionale Beziehung zu Pflanzen. Wer regelmäßig daran erinnert wird, etwas Lebendes zu pflegen, integriert Fürsorge wieder in Routine. Der Unterschied liegt darin, dass die Erinnerung nicht belehrend wirkt, sondern Teil des Haushaltsflusses ist. Ein Signalton in Verbindung mit Geruch beim Kochen sorgt für unbewusste Verknüpfung: Pflanze gleich Pflege.
Auf diese Weise wird Technologie zum Ermöglicher natürlicherer Handlungen, nicht zu deren Ersatz. Sie kompensiert nicht mangelndes Interesse, sondern überbrückt die Lücke zwischen Absicht und Ausführung. Die meisten Menschen möchten ihre Pflanzen erfolgreich pflegen – ihnen fehlt lediglich das System, das dies im hektischen Alltag ermöglicht.
Das Konzept der „sanften Automatisierung“, in Designkreisen etabliert, beruht auf genau diesem Prinzip: Technologie unterstützt, ohne zu übersteuern. Im Küchenkontext bedeutet das, dass der Mensch weiter entscheidet, aber mit Daten, die sonst unzugänglich bleiben.
Diese Form der Unterstützung unterscheidet sich fundamental von vollständiger Automatisierung. Es geht nicht darum, den Menschen aus dem Prozess zu entfernen, sondern ihn zu befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen. Die Verantwortung bleibt beim Menschen, aber die Informationsbasis verbessert sich dramatisch.
Wirtschaftliche und ökologische Betrachtung: Mehr als eine Spielerei
Smarte Pflanzensensoren kosten je nach Modell zwischen 25 und 60 Euro, ein Bewässerungstimer etwa 30 Euro. Der jährliche Strom- oder Batterieverbrauch liegt unter einem Kilowattstundenäquivalent. Vergleicht man das mit dem durchschnittlichen Ersatzkauf von Kräutertöpfen – oft alle sechs Wochen – amortisiert sich die Investition innerhalb weniger Monate.
Noch wichtiger: Das Kräutergrün stammt aus eigener Kultur, ohne Plastikverpackung oder Transport. Damit reduziert die Automatisierung nicht nur Arbeit, sondern auch den ökologischen Fußabdruck. Supermarkt-Kräuter sind oft in nicht recycelbaren Plastiktöpfen verpackt und haben bereits mehrere Transportetappen hinter sich. Ihre Lebensdauer nach dem Kauf ist begrenzt, da sie unter optimalen Gewächshausbedingungen gezogen wurden und die Umstellung auf Wohnraumbedingungen schlecht verkraften.
Viele unterschätzen zudem die Langzeitwirkung auf das Küchenmikroklima. Gesunde Pflanzen erhöhen die lokale Luftfeuchte um wenige Prozentpunkte, was insbesondere in Küchen mit Gasherden und Umluftsystemen einen stabilisierenden Effekt haben kann. Thymian gibt durch Mikroverdunstung ätherische Moleküle ab – die aromatische Bereicherung der Raumluft ist unbestritten.
Die Pflanze wird damit von einem dekorativen Element zu einem funktionalen Bestandteil des Küchenökosystems. Sie trägt zur Luftqualität bei, bietet frische Gewürze ohne Verpackungsmüll und schafft eine lebendige Atmosphäre. Der ökonomische Wert mag gering erscheinen, aber die Summe der kleinen Vorteile rechtfertigt den minimalen technischen Aufwand.
Die feine Linie zwischen Kontrolle und Kooperation
Wer Technologie als Werkzeug versteht, nicht als Ersatz, erkennt im digitalen Thymientopf ein Beispiel moderner Hausintelligenz: Weniger Aufwand durch präzise Aufmerksamkeit. Das Idealziel ist weder völlige Automatisierung noch Rückkehr zum puristischen Gießkännchen, sondern ein Gleichgewicht zwischen Daten und Intuition.
Sensoren registrieren, wann Wasser nötig ist; Bewässerungssysteme liefern es zuverlässig; der Mensch erlebt die Veränderungen unmittelbar. Diese Dreiteilung schafft eine Form der Kooperation, bei der jeder Beteiligte – Pflanze, Technik, Mensch – seine Stärken einbringt.
Die größte Stärke liegt vielleicht gar nicht in der Technik selbst, sondern darin, dass sie uns das Rhythmusgefühl für lebende Prozesse zurückgibt. Thymian lehrt Kontinuität, Technologie macht sie möglich. In einer Welt, die zunehmend von unmittelbarer Befriedigung und schnellen Ergebnissen geprägt ist, erinnert die Pflege einer Pflanze an langsame, organische Prozesse.
Dieser pädagogische Aspekt wird oft übersehen. Kinder, die mit automatisierten Pflanzensystemen aufwachsen, lernen nicht nur Verantwortung, sondern auch das Zusammenspiel von Biologie und Technologie. Sie erfahren, dass Sensoren Daten liefern, aber keine Entscheidungen treffen. Sie verstehen, dass Automatisierung Unterstützung bedeutet, nicht Ersatz.
Von der Theorie zur Praxis: Ein realistisches Szenario
Ein Haushalt mit zwei berufstätigen Personen, die gern kochen und frische Kräuter schätzen: Bisher wurden Thymianbüsche im Supermarkt gekauft, die nach zwei Wochen eingingen. Die Frustration war groß, die Motivation sank.
Nun wird ein einfaches System installiert: Ein Pflanzensensor im Topf, verbunden mit dem vorhandenen Smart Speaker. Ein Bewässerungstimer am Wasserhahn der Küchenspüle, mit einem dünnen Schlauch zum Fensterbrett. Die Anfangsinvestition: etwa 60 Euro, die Installation: 30 Minuten.
Nach einer Woche meldet der Sensor erste Daten. Die Bewässerungsintervalle werden angepasst – es stellt sich heraus, dass zweimal wöchentlich optimal sind. Der Thymian beginnt zu wachsen, nicht nur zu überleben. Nach sechs Wochen ist er buschiger als beim Kauf. Nach drei Monaten werden regelmäßig Zweige geerntet, die aromatischer sind als gekaufte Alternativen.
Die morgendliche Routine ändert sich minimal: Beim Kaffee erwähnt der Assistent gelegentlich, dass die Feuchtigkeit niedrig ist. Ein kurzer Blick, eine Handbewegung zur Gießkanne – mehr ist nicht nötig. Die Pflanze ist präsent, ohne aufdringlich zu sein. Sie fordert Aufmerksamkeit, aber in dosierten, bewältigbaren Momenten.
Nach einem Jahr ist die Rechnung simpel: Keine toten Kräuter, etwa 25 Euro gespart durch vermiedene Neukäufe, unzählige Gerichte mit frischem Thymian verfeinert. Wichtiger noch: Das Gefühl, etwas erfolgreich zu pflegen, ohne dass es zur Belastung wird.
Die Grenzen der Technologie: Was Sensoren nicht leisten können
Bei aller Begeisterung für smarte Lösungen bleiben Grenzen. Sensoren erkennen Schädlinge nicht. Sie diagnostizieren keine Krankheiten. Sie können nicht beurteilen, ob die Pflanze zu dicht gewachsen ist und Rückschnitt benötigt. Diese Aufgaben erfordern weiterhin menschliche Beobachtung und Expertise.
Technologie ersetzt nicht das grundlegende Verständnis pflanzlicher Bedürfnisse. Wer nicht weiß, dass Thymian Sonne braucht, wird auch mit Sensoren scheitern, wenn die Pflanze im Schatten steht. Die Geräte optimieren Bewässerung, nicht Standort, Substrat oder Schnitttechnik.
Zudem besteht die Gefahr der Abhängigkeit. Was passiert, wenn der Sensor ausfällt oder die Batterien leer sind? Wer ausschließlich auf technische Hinweise vertraut, verlernt möglicherweise die direkte Beobachtung. Die Balance zwischen technischer Unterstützung und eigenem Urteilsvermögen muss bewahrt bleiben.
Diese Einschränkungen bedeuten nicht, dass Automatisierung wertlos ist, sondern dass sie als Teil eines größeren Konzepts verstanden werden muss. Sensoren und Timer sind Werkzeuge, keine Allheilmittel. Sie funktionieren am besten in den Händen von Menschen, die grundlegende gärtnerische Prinzipien verstehen und anwenden können.
Ausblick: Die Evolution des digitalen Gärtnerns
Die Entwicklung steht noch am Anfang. Zukünftige Systeme könnten Bilderkennung nutzen, um Schädlinge oder Krankheiten zu identifizieren. Maschinelles Lernen könnte individuelle Wachstumsmuster analysieren und Empfehlungen verfeinern. Integration mit Wettervorhersagen könnte Bewässerung an kommende Luftfeuchtigkeitsschwankungen anpassen.
Doch die Grundidee bleibt: Technologie als Brücke zwischen menschlichem Alltag und pflanzlichen Bedürfnissen. Nicht als Ersatz für Aufmerksamkeit, sondern als Verstärker. Die erfolgreichsten Lösungen werden jene sein, die unsichtbar werden – die so selbstverständlich funktionieren, dass wir nicht mehr über sie nachdenken.
In diesem Sinne ist der smarte Thymianbewässerer ein Vorgeschmack
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